Erster Flug mit dem Modellhelikopter

Erster Flug mit dem Modellhelikopter

Der lang ersehnte Probeflug - und was davor passierte

"Bereit zum Probeflug", dachte ich mir, als der Akku endlich vollgeladen war.

Wie vom Koax-Helikopter gewohnt, schaltete ich den Sender ein und steckte den Akku an den Flugregler des Helikopters. Aber da passierte nichts - rein gar nichts! Es piepste nichts, es regte sich nichts - alles schien tot!

Was war denn hier los?

Akku defekt! Das war mein erster Gedanke! Aber dieser Akku war in Ordnung, wie sich nach dem durchmessen der Zellen mit meinem Multimeter zeigte. Er war sogar voll geladen!

Was falsch gemacht?

Alles wieder aus und nochmal von vorn! Aber es passierte immer noch nichts!

Kein Piepen, kein Zucken, rein gar nichts!

Modelcraft Sender 2,4GHz

Ein Bild vom Sender. Sieht aus wie Spielzeug, gefährliches Spielzeug!

So langsam kam mir die ganze Geschichte spanisch vor! Von wegen Ready to Fly - das war jetzt aber wirklich zu viel für mich!

Ich wollte das Ding endlich in die Luft bekommen! Aber es machte keine Anstalten, auch nur ein einziges Lebenszeichen von sich zu geben.

Ich legte den Sender auf den Boden, kniete mich neben den Heli und wollte gerade den Akku wieder abklemmen, als ich mit der rechten Hand versehentlich einen Schalter am Sender umlegte...

Katastrophe

...und plötzlich lief der Rotor an!

Was mich eigentlich in Entzücken hätte versetzen sollen, schien mir jetzt gar nicht mehr lustig! Der Rotor lief langsam an und drehte immer schneller. Mir wurde Angst und Bange! Das Entsetzen machte sich breit!

"Das geht schief!", dachte ich
...und ging es auch!

Intuitiv hielt ich den Heli sofort mit meiner linken Hand auf den Kufen am Boden fest. Dabei berührte mein Oberarm die sich bereits mit voller Drehzahl rotierenden Spitzen der Rotorblätter! Dann kam mir endlich die rettende Idee! Akku raus! Mit der freien Hand griff ich den Akku und riss ihn aus dem Helikopter...

... und dann fiel nicht nur die Rotordrehzahl rasch ab, sondern auch der Schrecken und die blanke Not von mir. Ich war kreidebleich im Gesicht und wirklich heilfroh als die Höllenmaschine wieder zum Stillstand gekommen war. Das alles spielte sich innerhalb weniger Sekunden ab! Entscheidende und schicksalhafte Sekunden, die mich auf unmissverständliche Weise lehrten, dass dies alles andere als ein Spielzeug war.

Mein linker Oberarm tat weh und er blutete! "So ein Mist", dachte ich mir, das Ding kann dich töten!

Selbiges dachte mit Sicherheit in diesem Moment auch meine Freundin, die unfreiwillig Augenzeugin dieser missglückten Aktion geworden war. Sie verband mir den Arm, der mehrere oberflächliche Schnitte aufwies. Das hätte auch viel schlimmer ausgehen können. Den Wagemutigen gehört die Welt, aber etwas weniger Drama wäre mir lieb gewesen.

Am nächsten Tag war die betroffene Stelle an meinem Oberarm rot-blau verfärbt und leicht angeschwollen. Bluterguss und Prellungen! Das geht vorbei, dachte ich mir.

Von diesem Moment an war für mich zweifelsfrei klar: "Das ist kein Spielzeug!"

Mit fachkundiger Hilfe wäre das sicher nicht passiert.

Vor dem Schaden klug sein, oder besser: hinterher ist man immer schlauer!

Ich entferne seit diesem Erlebnis bei jeder Reparatur am Helikopter und jeglichen Einstellarbeiten am Sender die Rotorblätter und mache einen Testlauf ohne Blätter - auch ohne Heckrotorblätter. Erst wenn alles wie geplant und fehlerfrei funktioniert, werden die Rotorblätter montiert.

Vor dem Probieren kommt doch das Studieren

Während der beiden folgenden Tage studierte ich ausgiebig die Einstellungen am Sender und am Heli. Ich probierte einiges aus - diesmal selbstverständlich mit demontierten Rotorblättern! Nach umfangreichen Tests stand am Freitag Abend gegen 17:00 Uhr der Heli startbereit mit montierten Rotorblättern und einem überdimensionierten 70cm (!) Breite messenden Trainingslandegestell zum Jungfernflug im Garten bereit. Nochmal alles checken und dann den Motor einschalten! Alles verläuft diesmal nach Plan. Der Rotor dreht hoch - mein Puls ebenfalls!

Ich kann nicht!

Meine Knie schlackern und meine Hände schwitzen und zittern! Wirklich, das ist kein Scherz! Aber ich kann nicht! Ich kann nicht abheben! Ich trau mich nicht! Etliche vergebliche Versuche später, war es dann aber doch soweit. Der Helikopter hob kurz ab - nur für wenige Sekunden bis in die sagenhafte Höhe von etwa 20cm über dem Erdboden!

Wow!
Ein kleiner Hüpfer für einen Modellheli - ein großer Sprung für den angehenden Modellpiloten. Es war ein tolles Gefühl! Ein wenig nachgetrimmt und dann hob er nochmal ab, und nochmal. Jedes Mal nur ein paar Sekunden, aber jedes Mal einige Zentimeter höher - dann war der Akku leer! Ich fühlte mich wie auf Droge - Adrenalin pur! Das war einfach der Hammer - wenn auch viel schwieriger als ich mir das je gedacht hatte. Es ist schon eine enorme Herausforderung, den Heli in der Schwebeposition zu halten. Kein Vergleich zum Koax-Helikopter!

Ratet mal, von was habe ich wohl in der kommenden Nacht geträumt?