Failsafe bezeichnet das vorab festgelegte Verhalten eines RC-Modells, wenn keine gültigen Steuerdaten mehr ankommen. Beim RC-Helikopter betrifft das nicht nur Sender und Empfänger: Je nach Aufbau sind auch Flybarless-System, Flugregler, Governor und Servos Teil der Signalkette. Eine gute Einstellung nimmt dem Antrieb bei Signalverlust Energie und verhindert unerwartete Ausgaben. Welche Werte dafür richtig sind, hängt jedoch von den verwendeten Komponenten und ihren aktuellen Anleitungen ab.
Was bedeutet Failsafe beim RC-Helikopter?
Wörtlich lässt sich Failsafe als Ausfallabsicherung verstehen. Der Empfänger oder das nachgeschaltete FBL-System erkennt, dass das Steuersignal fehlt, und gibt danach definierte Werte, die zuletzt gültigen Werte oder gar keine Impulse aus. Begriffe wie „Hold Last“, „Preset“, „SmartSafe“ und „No Pulses“ bezeichnen unterschiedliche Verfahren. Ihre genaue Wirkung ist herstellerspezifisch.
Die richtige Schreibweise lautet Failsafe. „Failsave“ und „Fail Safe“ werden häufig gesucht, meinen in diesem Zusammenhang aber dieselbe Sicherheitsfunktion. Failsafe ist keine Rettungsfunktion und kein Autopilot: Es kann einen Signalverlust nicht ungeschehen machen und ersetzt weder eine zuverlässige Funkanlage noch eine sichere Flugvorbereitung.
Welche Komponente löst Failsafe aus?
Die Signalkette verläuft typischerweise vom Sender über den Empfänger zum Flybarless-System und von dort zu Flugregler und Servos. Zuerst muss geklärt werden, welche Komponente den Verbindungsverlust erkennt und welche Daten sie danach weitergibt. Ein Empfänger kann beispielsweise den letzten Kanalwert halten, einen gespeicherten Wert ausgeben oder den Ausgang abschalten. Ein FBL-System kann zusätzlich eigene Failsafe-Werte speichern.
Zwei unabhängig programmierte Ebenen können sich gegenseitig überlagern. Gibt der Empfänger bei Funkverlust weiterhin gültig aussehende Kanalwerte aus, erkennt das FBL-System möglicherweise keinen eigenen Signalverlust. Umgekehrt kann ein protokollspezifisches Failsafe-Kennzeichen vom FBL-System ausgewertet werden. Deshalb werden Sender-, Empfänger-, FBL- und Regleranleitung gemeinsam gelesen und die Zuständigkeit eindeutig festgelegt.
Hold Last, Preset und No Pulses unterscheiden
- Hold Last: Der Ausgang hält den zuletzt empfangenen Wert. Das Verhalten kann bei einem bereits laufenden Motor oder einer starken Steuerbewegung ungünstig sein.
- Preset: Der Ausgang wechselt auf einen zuvor gespeicherten Wert. Dieser Wert muss zur tatsächlichen Kanalzuordnung und zur Kalibrierung des Reglers passen.
- No Pulses: Der Empfänger gibt keine normalen Servoimpulse mehr aus. Ob eine nachgeschaltete Komponente dies erkennt und wie sie reagiert, ergibt sich aus deren Dokumentation.
Nicht jeder Empfänger bietet alle Varianten, und identische Begriffe garantieren nicht bei jedem System identisches Verhalten. Spektrum beschreibt beispielsweise je nach Empfänger unterschiedliche Kombinationen aus Preset und Hold Last. Spirit legt bei bestimmten Empfängerprotokollen eigene Kanalwerte im FBL-System ab, während bei anderen Protokollen Sender oder Empfänger zuständig sind.
Failsafe richtig einstellen: ein sicherer Ablauf
- Komponenten erfassen: Sender, Empfänger, Übertragungsprotokoll, FBL-System, Regler und gegebenenfalls Governor mit Softwarestand notieren.
- Anleitungen abgleichen: Prüfen, wo Failsafe gespeichert wird, ob erneutes Binden Werte überschreibt und welche Reaktion der Regler als sicher ausgeschaltet erkennt.
- Antrieb priorisieren: Ziel ist, dass Motor beziehungsweise Turbine bei einem echten Signalverlust in den vom Hersteller vorgesehenen sicheren Zustand wechseln. Der konkrete Motor-Aus-Wert wird nicht pauschal als „−100 %“ übernommen, sondern aus Kanalweg, Reglerkalibrierung und Herstellerangabe bestimmt.
- Übrige Kanäle festlegen: Nick, Roll, Pitch, Heck und Zusatzfunktionen werden nicht pauschal auf Neutral gestellt. Die vorgesehenen Werte hängen von FBL-System, Flugzustand und Herstellerkonzept ab.
- Speichern und dokumentieren: Bindevorgang, Preset-Werte oder FBL-Konfiguration nach Anleitung abschließen und die getestete Konfiguration notieren.
Failsafe gefahrlos testen
Ein Failsafe-Test findet niemals mit einem frei drehenden Haupt- oder Heckrotor statt. Der Antrieb wird gemäß den Anleitungen von Modell und Regler so deaktiviert, dass er während der Prüfung nicht anlaufen kann; das Modell wird zusätzlich sicher fixiert. Erst danach wird der Signalverlust genau mit dem vom Hersteller beschriebenen Verfahren simuliert.
Beim Test werden nicht nur Anzeigen im Sender betrachtet. Entscheidend sind die tatsächlichen Ausgänge am Empfänger beziehungsweise FBL-System und die Reaktion des Reglers. Geprüft werden Motor-Aus, alle Steuerfunktionen, Zusatzkanäle und das Verhalten bei wiederkehrendem Signal. Bei manchen Systemen kann der Motor nach erneutem Verbindungsaufbau wieder hochlaufen. Deshalb bleibt der Antrieb bis zum vollständigen Abschluss der Prüfung mechanisch sicher.
Der Test wird nach Änderungen an Bindung, Kanalzuordnung, Reglerkalibrierung, Empfängerprotokoll, FBL-Konfiguration oder Firmware wiederholt. Ein Reichweitentest ergänzt diese Prüfung, ersetzt sie aber nicht.
Häufige Fehler bei der Failsafe-Einstellung
- Ein Prozentwert wird aus einer fremden Anleitung übernommen, ohne den tatsächlichen Reglerweg zu kontrollieren.
- Empfänger und FBL-System sind beide programmiert, ihre Reaktionen wurden aber nicht als komplette Kette getestet.
- Eine Rettungs- oder Horizontfunktion wird pauschal über Failsafe aktiviert, obwohl der Hersteller dieses Verhalten für den konkreten Helikopter nicht ausdrücklich vorsieht.
- Nach erneutem Binden oder einem Update wird angenommen, dass die bisherigen Werte unverändert geblieben sind.
- Der Test erfolgt mit montierten, anlaufbereiten Rotorblättern oder einem nicht sicher deaktivierten Antrieb.
Funkabbrüche vorbeugen
Failsafe begrenzt mögliche Folgen, verhindert aber keinen Verbindungsverlust. Antennen werden nach Herstellerangabe verlegt und von abschirmenden Bauteilen wie Carbon und Metall berücksichtigt. Stromversorgung, Steckverbindungen und Empfängerakku müssen die Last zuverlässig tragen. Nach Umbauten sowie bei einem neuen Sender oder Empfänger gehören Reichweitentest und Funktionskontrolle zur Inbetriebnahme.
Herstellerinformationen haben Vorrang
Die Failsafe-Anleitung von Spektrum zeigt beispielhaft, wie stark die Optionen vom Empfängertyp abhängen. Das Spirit-System-Handbuch beschreibt wiederum, bei welchen Protokollen das FBL-System eigene Werte speichert. Für das eigene Modell sind immer die Anleitungen aller tatsächlich eingebauten Komponenten und deren aktuelle Softwarestände maßgeblich.
