Gut geschmiert
... ist halb geflogen

Schmierung von RC Modellen

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Warum Schmierung

Am Modellhelikopter finden wir viele sich bewegende Teile. Da sind die Rotorwelle, die Heckrotorwelle, Schiebehülsen, die Taumelscheibe, Kugelgelenke und -pfannen, Zahnräder, die Motorwelle, Servogetriebe und einige mehr. An den verschiedensten Stellen tritt dabei Reibung auf. Diese Reibung hat sowohl Schwergängigkeit aber auch Verschleiß durch Abrieb zur Folge. Daher ist es ratsam, diese Stellen mit Schmiermittel zu behandeln, um die Reibung zu reduzieren, Verschleiß zu minimieren und so für Leichtgängigkeit aller bewegbaren Teile am Heli zu sorgen.

Am Modellheli kommen verschiedene Materialien und Materialkombinationen zum Einsatz. Nicht jede Stelle, an der Reibung auftritt, ist gleich stark beansprucht. Daher kommen unterschiedliche Schmiermittel zum Einsatz. Eine Ölumlaufschmierung sucht man am Modellhelikopter - zumindest noch heutzutage - vergeblich. Das Abschmieren der Stellen, an denen Reibung auftritt, beschränkt sich daher auf das Auftragen von Schmiermittel. Der Grundsatz "Viel hilft viel" ist jedoch fehl am Platz. Viele Teile, wie z. Bsp. die Rotorwelle und die Zahnräder sind ungeschützt vor Staub und Schmutz. Das Schmiermittel führt zwar zu verminderter Reibung und weniger Verschleiß, aber auch zur Ablagerung von Staub- und Schmutzpartikeln, da diese auf dem Schmierfilm kleben bleiben. Dies wiederum würde erhöhten Verschleiß bedeuten. Außerdem wird überschüssiges Schmiermittel von drehenden Teilen abgeschleudert - das führt zu unschönen Verschmutzungen durch Schmiermittel an anderer Stelle. Daher verzichten einige Modellheli- Piloten gänzlich darauf, verschiedene Teile abzuschmieren. Schmiermittel haben jedoch in der Regel noch einen weiteren positiven Effekt - sie schützen vor Korrosion durch Feuchtigkeit. Daher ist es unbedingt ratsam, alle Reibungsstellen am Heli abzuschmieren. Es gilt der Grundsatz: "Sehr sparsam abschmieren, aber dafür öfter".

Einige Materialien, wie z. Bsp. Messing, Aluminium, Blei, und verschiedene Kunststoffe besitzen Selbstschmiereigenschaften. Das ist auch ein Grund, warum die Schiebehülse auf der Heckwelle sehr oft aus Messing gefertigt wird. Materialien mit einem Selbstschmiereffekt werden gern in Gleitlagern eingesetzt.

Es gilt ganz besonders die Regel: Sparsam abschmieren - aber regelmäßig." Vor dem erneuten Abschmieren sollte das zu schmierende Bauteil mit einem sauberen, nicht fasernden Tuch gereinigt werden.


Schmierung am Modellheli in der Praxis

Schmiermittel

Öl allgemein

Öl zum Schmieren von Maschinenteilen gibt es in verschiedenen Zusammensetzungen mit unterschiedlichen Zusätzen in unterschiedlicher Viskosität für die verschiedensten Einsatzstellen. Ich brauch hier gar nicht weiter ins Detail zu gehen - es wäre ein mühsames Unterfangen, hier die Vor- und Nachteile der einzelnen Sorten bzw. die möglichen Einsatzstellen aufzuführen.

Zumindest dünnflüssiges Öl hat die Eigenschaft, von außen in Ritzen und Spalten einzudringen. Das erleichtert das Abschmieren von unzugänglichen Stellen. Öl hat einen entscheidenden Nachteil. Schmutz und Staub können sich leicht auf dem verhältnismäßig dünnen Ölfilm absetzen und zu erhöhtem Verschleiß führen.

Die Materialverträglichkeit sollte man vorher prüfen. Pflanzenöle bitte nicht verwenden.

Fett allgemein

Fett ist auf Grund der hohen Konsistenz schwer applizierbar. Es kann an verschiedenen Stellen jedoch sehr gute Schmiereffekte bringen. In Kugel- und Gleitlagern, aber auch in Servogetrieben, im Taumelscheibenlager und in Freiläufen werden verschiedene Fette als Schmiermittel eingesetzt. Pflanzenfett sollte jedoch nicht verwendet werden.

Trockenschmiermittel

Relativ jung sind sogenannte Trockenschmiermittel. Trockenschmiermittel sind zunächst flüssig und können daher gut an den Schmierstellen aufgebracht werden. Nach dem Aufbringen verdunsten die flüssigen Bestandteile und man bekommt einen Schmierfilm aus festen Gleitpartikeln. Die Anlagerung bzw. die Bindung von Staub ist mit solchen Schmierstoffen erschwert.

Welches Schmiermittel für welche Stelle

Rotorwelle/ Heckrotorwelle

Auf der Hauptrotorwelle läuft die Gleitbuchse der Taumelscheibe - auf der Heckrotorwelle läuft ebenfalls eine Schiebehülse/ Gleitbuchse. Die Wellen sind aus hartem Metall, oft aus gehärtetem Stahl hergestellt. Die Gleitbuchsen hingegen bestehen aus relativ weichem Material, wie Kunststoff oder einer Metalllegierung mit Selbstschmiereffekt. Diese Buchsen sollten mit einem Tropfen Öl abgeschmiert werden. Einige Piloten verzichten hier sogar völlig auf eine Schmierung.

Kugellager

Die am Modellheli verwendeten Kugellager sind fast ausschließlich dauergeschmierte Kugellager, die bereits mit Fett gefüllt sind. Auf beiden Seiten sind Lagerabdeckungen aus Kunststoff oder Metall angebracht. So ist das Lager vor Schmutz von außen geschützt und das Fett bleibt im Lager. Diese Lager müssen nicht weiter geschmiert werden. Bei den am Heli teilweide auftretenden hohen Drehzahlen kann es bei schon mäßigem Verschleiß der Lager zu Wärmeentwicklung kommen, welche dann die Viskosität des Fettes vermindert. Das Fett kann dann auslaufen und die Schmierung ist nicht mehr gewährleistet. Regelmäßige Kontrolle ist also trotzdem erforderlich. Hat das Lager übermäßig viel Spiel, oder zeigt es Verfärbungen durch Hitzeeinwirkung, dann muss es dringend gewechselt werden. Ein vorbeugender Wechsel der Kugellager an den Wellen nach 6 bis 12 Monaten bei mäßiger Nutzung ist auf jeden Fall anzuraten.

Kugellager finden sich an unserem Heli unter anderem an den folgenden Stellen: Lagerung der Rotorwellen am Haupt- und Heckrotor und sämtlichen anderen Wellen, Motorwellenlager, Lagerung der Heckantriebswelle bei Starrantrieb, Blatthalterlager, Lagerung von Winkelgetrieben usw.

Kugelgelenke

Kugelgelenke schmiert man am besten mit einem Tropfen Silikonöl. Zu viel aufgetragenes Silikonöl wird nach kurzer Wartezeit und manuellem Bewegen der Teile wieder abgewischt.

Dämpfergummis

Auch die Dämpfergummis der Blattlagerwelle brauchen Schmierung. Etwas Fett rundherum beim Einbau reicht jedoch völlig aus. Wenn man die Blatthalter schon mal abgebaut hat, dann werden die Dämpfergummis vorsorglich gewechselt. Regelmäßiges Nachschmieren ist also nicht angesagt.

Servogetriebe

Servogetriebe werden mit ein wenig Spezialfett gefettet. Wichtig ist, dass hier kein herkömmliches Schmierfett mit zäher Konsistenz verwendet wird - die Getriebe könnten Schaden nehmen. Auch bei Servogetrieben ist Nachfetten nicht erforderlich. Ein wenig Fett gut auf alle Zahnräder im neuen Servogetriebe verteilt, reicht meist für die gesamte Lebensdauer des Getriebes.

Drucklager

Drucklager zählen auch zu den Kugellagern. Sie sind dafür gedacht, Zug-und Druckkräfte in axialer Richtung aufzunehmen. Drucklager sollten vor dem Einbau vollständig mit Fett gefüllt werden.

Drucklager finden sich am Modellheli hauptsächlich in den Blatthaltern an Haupt- und Heckrotor, wo sie die durch die Fliehkraft der schnell drehenden Rotorblätter entstehenden Zugkräfte aufnehmen sollen. Drucklager kann man reinigen, auf Verschleiß kontrollieren, neu mit Fett füllen und wieder verwenden. Im Zweifelsfall sollten sie jedoch gegen neue Drucklager ausgetauscht werden. Man kann Drucklager prüfen, indem man kräftig am Blatthalter zieht, während man ihn auf der Blattlagerwelle hin und her dreht. Der Blatthalter muss sich einwandfrei drehen lassen, ohne dass man Unregelmäßigkeiten während des Drehens spürt, die auf unrunde Kugeln hindeuten. Ein defektes bzw. verschlissenes Drucklager kann man so leicht erkennen.

Zum Abschmieren aller Gleitflächen kann man auch Trockenschmiermittel, sogenanntes Dry Fluid verwenden. Dieses wird in flüssigem Zustand aufgetragen. Das Dry Fluid trocknet binnen kürzester Zeit - zurück bleibt ein nicht fettender und nicht ölender Belag aus Festschmierstoffpartikeln. Dry Fluid für Helikopter kann über unserern Shop bestellt werden.