Zum ersten Mal abheben
...ein stolzes Gefühl

RC-Heli Modell fliegen lernen, Lektion 1

Nun wird's ernst

Nachdem Du nun den Heli soweit flugbereit gemacht und kontrolliert hast, wächst natürlich das Verlangen, den Heli zum ersten Mal abheben zu lassen. Wenn alles bestens harmoniert und auch Du dich bereit fühlst für den ersten Flug - also "Ready To Fly" bist - , dann kann's losgehen.

Das Heck haben wir möglichst schon vorher eingestellt nach dieser Anleitung Einstellung des Hecks .


Der erste Flug mit dem Heli - das kommt ins Gepäck

  • Der eingestellte und kontrollierte Heli, Rotorblätter Haupt und Heck
  • Mindestens 1 Flugakku, vollgeladen, besser 2 oder 3
  • Sender mit voll geladener Senderbatterie
  • Trainingslandegestell
  • Werkzeug: kleiner Kreuzschlitz, Inbus- Schlüssel für Motor, Rotor etc., Kugelkopfzange, Kombizange klein, Seitenschneider klein,
  • Klettband, eventuell ein paar Kabelbinder
  • ganz wichtig: genügend Zeit - unter Zeitdruck geht vieles schief

Dann brauchen wir noch...

  • ein benutzbares, ausreichend großes Fluggelände weit außerhalb der Ortschaft, ohne Publikumsverkehr! Natürlich haben wir die Aufstiegserlaubnis vom Grundstückseigentümer! Der Untergrund des Startplatzes ist glatt und frei von Gras - wir wollen doch nicht, dass sich die Kufen verhaken und wir Kleinholz bekommen! Es liegt dort auch kein lockerer Split herum, der aufgewirbelt werden könnte!
  • Versicherungsschutz! Hast Du daran gedacht?

Zuschauer kannst Du noch nicht gebrauchen! Wir nehmen nur eine vertraute Person mit, damit wir im "Notfall" nicht ganz allein sind. Das gibt uns auch eine gehörige Portion an Sicherheit mit.


Jetzt wird's ernst - ich hab schon weiche Knie

Du bist mit den Steuerbewegungen Deines Helikopters vertraut und hast auch schon vorher am Simulator den Schwebflug geübt!

  • Wir stellen den Heli, mit der Nase in Windrichtung auf eine ebene Fläche. Noch wichtiger als die Windrichtung ist dabei fast die Einstrahlung der Sonne. Die Sonne müssen wir stets im Rücken haben, oder zumindest in einer Position, wo wir nicht während des Fluges geblendet werden können. Ich gebe Dir eine heli-planet Schildmütze, wenn Du möchtest.
  • Ein Stückchen ebene Wiese mit ganz kurz gemähtem Gras ist ideal zum starten.
  • Den Flugakku bauen wir schon ein, aber anschließen werden wir ihn erst später.
  • Falls noch Grashalme rumliegen, dann entfernen wir die noch restlos. Wir schicken alle mitgekommenen Personen aus Sicherheitsgründen weit weg. Die können sich ins Auto setzen oder aus sicherer Entfernung vom Waldrand aus zuschauen. Bitte keine Zuschauer im erreichbaren Umkreis!
  • Wir richten nun die Rotorblätter symmetrisch aus, damit sich der Heli beim Anlaufen des Rotors nicht schüttelt.
  • Ein letztes Mal vor dem Start heben wir den Heli am Bremsteller des Rotorkopfes an, um die richtige Lage des Schwerpunktes zu prüfen. Es passt alles - ready to fly.
  • In Gedanken gehen wir Schritt für Schritt nochmal alle Abläufe bis zum Abheben durch. Wir fühlen uns bereit für mehr?!

Letzte Vorbereitungen - dann geht's endlich los

Soweit alles klar? Beruhige Dich noch einmal! Mann - der Heli steht noch am Boden, aber das ist jetzt schon so aufregend!

Nun folgen einige wichtige Schritte, die wir Punkt für Punkt durchgehen. Der Gas/ Pitchknüppel muss unbedingt in Nullstellung, bzw. der Flugphasenschalter in eine Stellung, in der eine Gaskonstante mit 0% Gas anliegt, sonst initialisiert der Flugregler nicht - der geht nämlich auf Nummer sicher.

  • Wir schalten zuerst den Sender ein und prüfen, ob das richtige Modell ausgewählt ist - vielleicht haben wir versehentlich noch das "Trainermodell" vom Flugsimulator ausgewählt. Das hätte wohl sicher fatale Folgen gehabt.
  • Wir schieben den Gas-/Pitchknüppel in die Nullstellung, damit der Regler beim Anstecken des Flugakkus auch initialisiert.
  • Wo steht denn die Kreiselempfindlichkeit? Ich würde ja erst mal mit 50% Empfindlichkeit anfangen.
  • Gut, dass wir das Heck schon vorher am Boden im Normalmodus eingestellt haben, so können wir den Kreisel gleich im HeadingHold Modus fliegen. Das ist viel einfacher!
  • Nun schließen wir den Flugakku an und begeben uns aus der Gefahrenzone des Rotors. Der Regler piepst uns eine Melodie und sagt uns damit, dass er bereit und scharf ist.

Ja, mein Puls ist genauso hoch wie Deiner, knapp unter 200, aber es ist gar nicht so schlimm! Ein paar Mal richtig tief durchatmen und dann werden wir in ein paar Minuten schon ruhiger werden.

Pilotenstandpunkt beim Schwebflug
  • Wir stellen uns geringfügig seitlich hinter den Heli, so können wir die Fluglage noch besser einschätzen - aber nicht zu sehr seitlich. Wir haben doch beide noch relativ gute Augen und wir können den Heli bestimmt auch aus größerer Entfernung noch gut erkennen und der Sender reicht bestimmt auch weiter als 5 m. Also legen wir mal lieber noch ein paar Meter Sicherheitsabstand drauf. Platz haben wir ja genug.
  • Nun prüfen wir alle Funktionen, wie Roll, Nick und Heck im Stand ohne laufenden Motor. Es funktioniert alles bestens. Noch einen Augenblick inne halten und dann den "Motor"-Schalter endlich umlegen und den Motor anlaufen lassen.

Am Simulator war das leichter. Mann, habe ich weiche Knie und meine Finger zittern. Der Heli hat sich auch ganz kurz etwas geschüttelt. Vermutlich lag das an den noch nicht ganz korrekt ausgerichteten Rotorblättern. Jetzt läuft er wieder richtig rund. Cooles Gefühl! Der Sound der Rotorblätter klingt fantastisch. Oh, es scheint, als ob wir zu viel negativen Anstellwinkel an den Blättern haben. Der Heli drückt sich nach unten auf den Boden - die Kufen verbiegen sich ja schon fast. Na dann geben wir mal ganz behutsam etwas Kollektivpitch zu. So, das sieht schon besser aus und die Rotorblätter verraten uns durch eine angenehme Veränderung des eben noch so "quälend" klingenden Sounds, dass sie nun nahe 0° Pitch stehen. Der Rotorsound klingt toll!

  • Lass uns doch mal Pitch noch ein wenig steigern bis der Helikopter allmählich leicht wird. Aber ganz langsam, niemand treibt uns!
  • Ja - ich kann es sehen - der Heli wird leicht und das Heck fängt leicht an nach rechts zu drehen, da müssen wir mal ein ganz klein wenig gegensteuern. Es bleibt einfach nicht stehen, es dreht sich weiter, wenn nicht gegengesteuert wird! Stell nochmal ab und lass uns am Sender die Kreiselempfindlichkeit etwas anheben! Nun sind wir bei 65% Empfindlichkeit. Lass uns nochmal ganz behutsam Pitch steigern. Nanu, das Heck dreht sich schon wieder - immer noch in die gleiche Richtung. So lange ich den Hecksteuerhebel in die entgegengesetzte Richtung steuere stoppt es und dreht sich bei etwas stärkerem Gegensteuern sogar in die andere Richtung. Zumindest das funktioniert gut! Halt nochmal an und lass uns alles nochmal prüfen. Sind wir jetzt etwa doch im Normalmodus geflogen? Tatsächlich, da haben wir aber nicht richtig nachgeschaut, das hätte auch schief gehen können, wenn wir gleich voll abgehoben wären. Wir müssen am Sender noch etwas Gegentrimmen.
  • Wir testen gleich noch mal ob das Heck jetzt steht, wenn der Heli leicht wird!
  • Das Heck bewegt sich ja schon wieder, diesmal pendelt es schon beim Leichtwerden des Helis schnell hin und her. Die Idee, die Kreiselempfindlichkeit vorhin hochzunehmen, war wohl nicht so gut. Also lass uns wieder abschalten und die Kreiselempfindlichkeit auf den alten Wert zurückstellen und das Heck lieber etwas nach links trimmen. Wir probieren gleich noch mal abzuheben.
  • Das Heck dreht sich trotzdem noch, aber diesmal nur noch ganz langsam, obwohl der Heli ganz kurz vor dem Abheben ist. Das haben wir gleich! Wir trimmen noch ein wenig stärker. Es ist besser und leichter für uns, wenn das Heck ganz genau in Position stehen bleibt. Geschafft - das Heck steht stabil, nun könnten wir auch in den HeadingholdModus schalten, oder? Ja, lass uns das mal tun.
  • Wer sagt's denn? Das Heck steht ganz stabil ...noch ein wenig mehr Pitch und da hebt er schon 10cm ab und das Heck steht immer noch still. He, lass uns sofort wieder landen. Drei Sekunden sind erst mal genug - mir zittern vor Aufregung die Knie und vor allem die Finger! Pitch also gemach wieder runter nehmen und da steht er schon wieder auf sicherem Boden.
  • Motor aus ...Puh! Das war Adrenalin pur. Ein super Gefühl. Wir haben abgehoben und der Heli ist noch heil! Nun erst mal Pause - gut Ding will Weile haben.

Wir sind geflogen! Super, ich fühle mich hervorragend! ...trotz zitternder Hände, und Du?


Was Dir noch hätte passieren können...

Ist der Heli vielleicht...

  • nervös hin und her getaumelt? - Dann bist Du vielleicht zu tief im Bodeneffektbereich geflogen. Halte möglichst bald nach dem Start mindestens 2 Rotorkreisdurchmesser Abstand vom Boden, dann sollte das besser werden falls es der Bodeneffekt war.
  • permanent* seitlich weggerollt - dann muss Roll nachgetrimmt werden
  • permanent* nach vorne oder hinten gekippt - dann muss Nick nachgetrimmt werden

*"permanent" bedeutet hier, dass fast andauernd bzw. wiederholt gegengesteuert werden musste, was auf eine nicht waagerechte Taumelscheibenstellung hindeutet. Als Beispiel: Der Heli dreht im Schwebflug ohne Steuerbefehl die Nase langsam nach unten und durch Gegensteuern bringe ich den Heli in die Horizontale zurück. Sobald der Steuerknüppel wieder in der Mitte steht, beginnt der Heli schon wieder die Nase nach unten zu bewegen. Dann muss Nick nachgetrimmt werden. Gleiches gilt für Roll.

Das Heck haben wir ja schon getrimmt. Aber es gilt:

  • zappelt das Heck zügig hin und her - Kreiselempfindlichkeit abschwächen
  • bewegt sich das Heck bei jedem kleinen Windstoß in beliebige Richtung - Kreiselempfindlichkeit erhöhen
  • schlägt das Heck bei zügigem Geben von Pitch entgegengesetzt der Rotordrehrichtung weg - Kreiselempfindlichkeit erhöhen
  • dreht das Heck (im Normalmodus des Gyro) permanent in eine Richtung - gegentrimmen am Sender

Jeder Heli mit rechtsdrehendem Rotor driftet etwas nach links weg, obwohl er ganz gerade in der Luft steht. Hast Du das überhaupt gemerkt? Schuld daran ist der Heckrotor, der in eine Richtung bläst. Das muss man nicht austrimmen. Mit einer ganz leichten einmaligen Korrekturbewegung "Roll nach rechts", aber nur ein ganz klein wenig, legen wir den Heli ganz minimal schief nach rechts. Der Rotor zieht nun (Roll) nach rechts und der Heckrotor drückt den Heli nach links. Beide Kräfte gleichen sich aus - der Heli steht auf der Stelle. Später funktioniert das alles aus dem Unterbewusstsein heraus. Mehr darüber gibt's unter Die Aerodynamik eines Modellhelikopters . Auch Windeinflüsse werden mit einer Schiefstellung des Helis ausgeglichen. Der Heli wird "in den Wind gelegt". Selbst bei mittlelstarkem Dauerwind klappt das hevorragend. Nur rasch wechselnde Windverhältnisse erschweren das Helifliegen. Daher ist das Fliegen bei stärkerem Wind noch nichts für ungeübte Beginner.

  • Lass Dir den Heli von einem erfahrenen Piloten "einfliegen". Ich mache das sehr oft für Anfänger. Dann kannst Du dich aufs Fliegen konzentrieren und brauchst nicht zu trimmen. Außerdem bist Du dann sicher, dass der Heli wirklich tip top eingestellt ist. Trimmen während des Fluges ist nichts für Anfänger - das gibt meist Kleinholz. Der Heading Hold oder Automatik Modus (AVCS) hat seine Vorzüge, bringt aber manchmal Verwirrung. Warum? Das kannst Du unter Einstellung des Hecks nachlesen.
  • Verändere im Bedarfsfall immer nur eine einzelne Einstellung und schau was sie gebracht hat. Verstelle nicht mehrere Sachen gleichzeitig!
  • Lande um zu trimmen - in der Luft wäre das viel zu riskant für einen Anfänger!
  • Wenn Du sehr viel trimmen musstest, dann steht für später vielleicht nicht mehr genügend Trimmweg zur Verfügung. Wenn also einer der Trimmschieber am Sender schon sehr weit von der Mitte entfernt steht, dann muss unbedingt durch Nachjustieren der Gestänge am Heli oder "Mittenverstellung" im Sender Abhilfe geschaffen werden. Aber das ist eine Arbeit für später zu Hause.
  • Nach dem ersten leergeflogenen Akku muss der gesamte Heli kontrolliert werden. Sitzt alles noch fest? Alle Schrauben noch drin und dran? Prüfe alles ganz akribisch, das gehört zu diesem Sport dazu!

Übungsziel

Ziel dieser ersten Übung mit dem Heli ist es, zunächst das Heck und den gesamten Heli in der Fluglage stabil zu bekommen und die Angst und Nervosität abzuschwächen. Irgendwann ist immer das erste Mal! Wenn Du fliegen willst, dann musst Du vorher abheben! Deine Hemmungen musst Du überwinden. Bei jedem Flug steigt die Sicherheit und die Nervosität nimmt ab.

Gleichzeitig bekommst Du ein "Gefühl" für den Heli. Wie hat der Heli reagiert nach dem Abheben. Das Heck haben wir ja schon ausgetrimmt und die Kreiselempfindlichkeit scheint nun auch zu passen.

Du übst vorerst nur Schweben in Heckansicht. Das hat den Hintergrund, dass Du diese Fluglage zunächst sicher beherrschen musst, denn sie ist Ausgangsgrundlage für alle weiteren Übungen.

Du übst mehrere Akkuladungen lang nur kurzes Abheben und wieder landen. Am Anfang machst Du nur kurze "Hüpfer" und dann machst Du kurze Schwebflüge mit immer länger werdenden Flugphasen.

Das Trainingslandegestell solltest Du so schnell wie möglich wieder abbauen. Wenn Du Dich traust, dann kannst Du schon mal ein bis zwei Minuten Schweben am Stück versuchen. Aber bitte nicht übertreiben und den Heli immer von Hinten im Auge behalten, also immer schön mit dem Heck zu Dir zeigend schweben lassen.

Wenn Du Dich sicher für längere Hüpfer fühlst, dann erhöhe bitte kontinuierlich den Abstand vom Boden. Versuche immer mindestens drei bis vier Rotorblattlängen vom Boden entfernt zu schweben. Fliegst Du tiefer ist das eher ein Nachteil. Denn zu dicht am Boden fliegst Du im IGE

und Du hast keine Möglichkeit mehr, den Heli bei eventuellen fehlerhaften Steuereingaben abzufangen. Am Anfang wirst Du deshalb ganz vorsichtig fliegen und sobald als möglich die Flughöhe auf etwa Brust bis Kopfhöhe steigern.
Der Sicherheitsabstand wird stets eingehalten! Lieber etwas weiter weg vom Heli als zu dicht dran. Das hat nichts mit Angst zu tun, sondern mit Respekt.
Vor Aufregung zitternde Finger sind nicht so gut für feinfühliges Steuern, und erzähl mir nicht, dass Deine Finger nicht zittern!? Wenn es nicht mehr geht, dann lande wieder und mache eine Pause. Die hast Du Dir verdient. Du wirst merken, dass es jedes Mal wenn Du fliegst eine große Menge Adrenalin in Deinen Blutkreislauf ausgeschüttet wird. Das hat den Nachteil, dass Du aufgeregt bist, aber den großen Vorteil, dass Du voll wach bist. Setze Dich dennoch diesem Zustand nicht allzu lange aus, sondern mache regelmäßige Pausen. Mache mindestens nach jedem leergeflogenen Akku eine Pause von mindestens 10 bis 15 Minuten, bevor Du weiter fliegst.

Wir lassen nach Flugende nichts am Flugplatz liegen! Alles was wir mitgebracht haben, nehmen wir auch wieder mit nach Hause. Das versteht sich von selbst - Modellflieger- Ehre eben!


Christians erster Hoover

So sieht es aus, wenn man die ersten Schwebversuche macht. Wer so weit ist, der hat schon erste Fortschritte erzielt und darf schon stolz auf sich sein.


Bereit für mehr?

Du bist bereit für den nächsten Schritt, wenn Du die folgenden Fragen mit "JA" beantworten kannst. Du solltest aber mindestens 10 bis 20 Akkuladungen im Schwebflug in Heckansicht leergeflogen sein, bevor Du zur nächsten Übung wechselst.

Du beherrschst sicher durchgängig einige Minuten Schwebflug in Heckansicht?

Du hast keine Probleme das Heck des Heli zu Dir zurück zu drehen?

Du beherrschst das Starten und Landen sicher?

Gratulation zu Deinem Erfolg.