Kurz erklärt: Die Gaskurve legt fest, welches Gassignal der Sender bei einer Knüppelstellung oder in einem Flugzustand ausgibt. Sie stellt nicht automatisch eine bestimmte Rotordrehzahl ein. Ob eine ansteigende, V-förmige oder waagerechte Kurve sinnvoll ist, hängt vor allem von Antriebsart, Regler- beziehungsweise Governor-Modus und der Herstellerkonfiguration ab. Feste Prozentwerte lassen sich deshalb nicht sicher von einem fremden Modell übernehmen.
Was ist die Gaskurve beim RC-Helikopter?
Eine Gaskurve ordnet Eingabepunkten des Senders Ausgangswerte für den Gaskanal zu. Klassische Sender zeigen dafür fünf, sieben oder mehr Punkte an. Spektrum beschreibt beispielsweise getrennte Kurven für Normal, Stunt und Hold; Futaba ordnet Gaskurven Bedingungen beziehungsweise Flugzuständen zu. Die Zahl im Sender ist zunächst nur ein normierter Steuerbefehl. Welche Motorleistung oder Rotordrehzahl daraus entsteht, bestimmt die angeschlossene Technik.
Bei einem Verbrennerheli bewegt der Gaskanal üblicherweise ein Servo am Vergaser. Bei einem Elektroheli erhält der Flugregler ein Signal, das je nach Betriebsart als Leistungsanforderung, Governor-Sollwert oder Schaltbefehl interpretiert wird. Selbst zwei Regler können denselben Senderwert unterschiedlich auswerten. Vor jeder Kurve werden daher Senderweg, Motor-Aus-Position und Regler-Betriebsart nach den gemeinsamen Herstellerangaben eingerichtet.
Gaskurve, Pitchkurve und Rotordrehzahl unterscheiden
| Größe | Aufgabe | Entscheidender Prüfpunkt |
|---|---|---|
| Gaskurve | erzeugt den Senderbefehl für Vergaserservo, ESC oder Governor | Flugzustand, Signalkalibrierung und Betriebsmodus |
| Pitchkurve | ordnet der Knüppelstellung den kollektiven Blattwinkel zu | mechanische Endlagen, Nullpunkt und gewünschter Pitchbereich |
| Governor | regelt die Drehzahl auf einen aus dem Eingang abgeleiteten oder direkt programmierten Sollwert | Regelreserve, Übersetzung, Motor, Akku und Herstellerverfahren |
| Rotordrehzahl | tatsächliche Drehzahl des Hauptrotors | Messwert unter Last und zulässiger Bereich aller Komponenten |
Gaskurve und Pitchkurve wirken im Flug gleichzeitig, erfüllen aber verschiedene Aufgaben. Mehr Pitch erhöht die Rotorlast; der Antrieb muss diese Last tragen. Im Governorbetrieb versucht der Regler, die gewählte Drehzahl nachzuregeln. Im Stellermodus muss die Gaskurve den Lastverlauf stärker berücksichtigen. Die separate Seite zum Pitchwinkel am RC-Helikopter behandelt Blattwinkel und Mechanik.
Welche Gaskurve gehört zu welchem Flugzustand?
| Flugzustand | Typische Aufgabe | Nicht pauschal festlegen |
|---|---|---|
| Motor aus / Throttle Cut | Antrieb eindeutig stillsetzen | Signalwert, Schalterlogik und Wiederanlaufverhalten |
| Normal | modellabhängiger Start- oder Trainingszustand | ob der Motor über den Knüppel hochläuft oder separat geschaltet wird |
| Idle-up / Gasvorwahl | definierter Antriebszustand mit positiver und negativer Pitchreserve | Kurvenform, Sollwert und Umschaltpunkt |
| Autorotation / Hold | Motor aus oder vom Hersteller vorgesehener Bailout-Bereich | Restgas, Kupplung, Bailout und sichere Rückkehr |
Die Bezeichnungen sind senderabhängig. „Normal“ bedeutet nicht automatisch Motor aus, und „Hold“ ist nicht bei jedem Elektroregler mit derselben Signallage verbunden. Manche Systeme besitzen zusätzlich einen speziellen Autorotations- oder Bailout-Bereich. Entscheidend sind daher die aktive Schalterstellung, der Servomonitor und die Dokumentation von Sender, Regler und Modell.
Gaskurve mit Governor beim Elektroheli
Bei vielen Governor-Systemen wird pro aktivem Flugzustand eine waagerechte Senderkurve verwendet. Der konstante Eingang steht dann für einen gewünschten Drehzahlbereich oder einen Regler-Sollwert. Das ist jedoch keine universelle Prozentregel. KONTRONIK beschreibt für den KOLIBRI im Heli-Modus beispielsweise eine gerade Vorgabe und nennt eine gerätespezifische Obergrenze, damit Regelreserve bleibt. Castle unterscheidet wiederum feste Endpunkte und unterschiedliche Governor-Verfahren. Hobbywing bietet je nach Platinum-Version mehrere Governor-Modi mit eigener Kalibrierung.
Eine flache Kurve allein beweist deshalb weder, dass der Governor aktiv ist, noch dass die Rotordrehzahl konstant bleibt. Der Regler muss korrekt programmiert und kalibriert sein. Motor, Akku, Übersetzung und Sollwert müssen eine ausreichende Leistungs- und Regelreserve lassen. Ist die Anforderung zu hoch, erreicht der Regler Vollaussteuerung und kann Lastspitzen nicht mehr ausregeln. Die Grundlagen erklärt die getrennte Seite Governor-Modus und Stellermodus.
Gaskurve ohne Governor beim Elektroheli
Im Stellermodus beziehungsweise bei fester Eingang-zu-Ausgang-Zuordnung folgt die Antriebsleistung dem Senderbefehl, ohne eine echte Drehzahlregelung auf einen Sollwert. Eine rein waagerechte Kurve kann dann bei zunehmendem Pitch zu einem stärkeren Drehzahleinbruch führen. Eine ansteigende oder V-förmige Kurve kann Laständerungen teilweise vorsteuern, bleibt aber eine modellbezogene Abstimmung.
Die Kurvenform wird nicht aus einer Internetgrafik übernommen. Zuerst werden zulässige Rotordrehzahl, Übersetzung, Motor, Regler, Akku und Pitchbereich geprüft. Anschließend werden Strom, Temperatur und Drehzahl unter kontrollierten Bedingungen beobachtet. Eine Kurve darf weder eine mechanisch unzulässige Rotordrehzahl noch eine elektrische Überlastung kaschieren. Für die rechnerische Ausgangsbasis stehen der einstufige Drehzahlrechner und die Seite zu Motor und Flugregler bereit.
Wie wird eine passende Rotordrehzahl bestimmt?
Die maximale theoretische Motordrehzahl ergibt sich näherungsweise aus Akkuspannung und Motorkennzahl. Über die Getriebeübersetzung lässt sich daraus eine theoretische Rotordrehzahl berechnen. Unter Last liegt der reale Wert niedriger. Diese Rechnung zeigt, ob die gewünschte Drehzahl grundsätzlich in einem sinnvollen Arbeitsbereich liegt; sie ersetzt weder Messung noch Freigabe der Komponenten.
Rotorblätter, Rotorkopf, Heckantrieb und Mechanik besitzen zulässige Grenzwerte. Außerdem beeinflussen Modellgewicht, Rotordurchmesser, Blattprofil und Flugstil die benötigte Drehzahl. Eine niedrigere Drehzahl kann effizient und leise sein, verlangt aber ausreichend Steuer- und Heckreserve. Eine höhere Drehzahl erhöht Belastung, Leistungsaufnahme und gespeicherte Rotationsenergie. Das Ziel wird daher aus dem konkreten Modellhandbuch oder einer geprüften Antriebsauslegung abgeleitet.
Im Governorbetrieb wird anschließend geprüft, ob der Sollwert auch bei hoher Rotorlast gehalten wird, ohne dass der Regler dauerhaft an seiner Aussteuerungsgrenze arbeitet. Im Stellermodus wird beobachtet, wie stark die Drehzahl über den Pitchbereich schwankt. Eine Änderung der Gaskurve erfolgt erst, nachdem mechanische Probleme, schwacher Akku und unpassender Pitchbereich ausgeschlossen sind.
Gaskurve messen und dokumentieren
Für jeden Flugzustand werden Kurvenpunkte, Schalterstellung, Motor-Aus-Wert, Regler-Modus und gemessene Rotordrehzahl gemeinsam notiert. Telemetrie zu Strom, Spannung, Regleraussteuerung und Temperatur macht sichtbar, ob ein scheinbar ruhiger Lauf tatsächlich genügend Reserve besitzt. Ein einzelner Leerlaufwert sagt darüber wenig aus.
Nach einer Änderung werden dieselben Messbedingungen wiederholt. So lässt sich erkennen, ob die Kurve oder eine gleichzeitig veränderte Pitch-, Regler- oder Motorparameter-Einstellung die Wirkung verursacht hat. Eine funktionierende Konfiguration wird als Modellspeicher gesichert, bevor weitere Versuche beginnen.
Gaskurve beim Verbrennerheli
Beim Verbrennerheli steuert die Kurve die Stellung des Vergaserservos. Ausgangswert, Gestänge, Vergaseröffnung und Motordrehzahl müssen deshalb gemeinsam betrachtet werden. Im Normalzustand kann die Kurve vom sicheren Leerlauf bis zum Flugbereich ansteigen. In Idle-up-Zuständen werden häufig U- oder V-förmige Verläufe verwendet, damit bei positiver und negativer Pitchlast ausreichend Leistung bereitsteht.
Auch hier sind feste Zahlen ungeeignet: Vergasergeometrie, Servohebel, Gemisch, Kupplung, Übersetzung, Kraftstoff, Rotorlast und Motorzustand verändern das Ergebnis. Die Kurve ersetzt weder eine korrekte Nitromotor-Einstellung noch einen funktionierenden Governor. Bei einem externen Governor gelten dessen Kalibrier- und Schaltvorgaben.
Gilt dieselbe Gaskurve für Paddel- und Flybarless-Helis?
Das Grundprinzip des Gaskanals ist bei Paddel- und FBL-Helikoptern gleich. Die notwendige Leistung kann sich trotzdem unterscheiden, weil Rotorkopf, Blätter, Drehzahl, Pitchbereich, Gewicht und Flugstil die Last bestimmen. Die Taumelscheibenmischung wird bei einem Paddelheli häufig im Sender und bei einem FBL-Heli im Flybarless-System eingerichtet; daraus folgt aber keine pauschal andere Gaskurve.
Bei FBL-Systemen mit integriertem Governor kann das Eingangssignal eine zusätzliche Bedeutung erhalten. Dann sind Sensoranschluss, Übersetzung, Motorpolzahl und Sollwertzuordnung gemäß FBL-Anleitung einzurichten. Senderkurven aus einem externen ESC-Governor dürfen nicht ungeprüft übernommen werden.
Gaskurve an der Futaba T8FG bearbeiten
Die vorhandenen Bilder zeigen das Prinzip am historischen Beispiel einer Futaba T8FG. Menüname und Zahl der Kurvenpunkte können bei aktuellen Sendern anders aussehen. Entscheidend ist, dass die richtige Bedingung aktiv ist und nur die dafür vorgesehene Kurve bearbeitet wird.




Historische Kurvenformen richtig lesen


Eine ansteigende Linie, eine V-Kurve und eine waagerechte Linie beschreiben unterschiedliche Steuerstrategien. Ohne Angabe von Antrieb, Regler-Modus, Pitchkurve und Flugzustand ist keine davon automatisch richtig. Die Bilder werden daher als Formbeispiele und nicht als Zahlenanleitung verwendet.
Gaskurve sicher einstellen: Reihenfolge
- Modell, Sender, Empfänger beziehungsweise FBL, Regler, Motor und aktuelle Firmware eindeutig erfassen.
- Festlegen, ob der Antrieb im Stellermodus, ESC-Governor, FBL-Governor oder mit einem Verbrenner-Governor betrieben wird.
- Motor-Aus, Throttle Cut, Hold und gegebenenfalls Bailout exakt nach Herstellerangabe zuordnen.
- Senderwege und Endpunkte nur nach dem Kalibrierverfahren des konkreten Reglers oder Governors einstellen.
- Jeden Flugzustand einzeln im Servomonitor prüfen und unbeabsichtigte Mischer oder wechselnde Kurven ausschließen.
- Pitchbereich und mechanische Freigängigkeit unabhängig von der Gaskurve kontrollieren.
- Kurvenform beziehungsweise Sollwert aus der Modell- und Regleranleitung übernehmen und zunächst konservativ wählen.
- Übergänge zwischen Motor aus, Normal, Idle-up und Autorotation ohne montierte Haupt- und Heckrotorblätter nur soweit prüfen, wie es die Geräteanleitung ausdrücklich vorsieht; für eine erforderliche Motorkalibrierung das Modell sicher fixieren.
- Den ersten vollständigen Hochlauf und Flugtest im geeigneten Außenbereich mit Sicherheitsabstand und fachkundiger Unterstützung durchführen.
- Rotordrehzahl, Strom, Temperatur, Akku und Regelverhalten messen, dokumentieren und immer nur eine Größe gleichzeitig ändern.
Typische Fehler bei der Gaskurve
| Symptom | Mögliche Ursache | Prüfschritt |
|---|---|---|
| Drehzahl bricht bei Pitch ein | zu wenig Regelreserve, schwacher Akku, falsche Übersetzung oder Stellermodus-Kurve | Telemetrie, Sollwert, Antriebsauslegung und Modus getrennt prüfen |
| Drehzahl überschwingt | Governor-Parameter, zu geringe Last oder abrupter Sollwertwechsel | Herstellerwerte und Übergang zwischen Flugzuständen kontrollieren |
| Motor startet beim Umschalten unerwartet | falsche Hold-/Cut-Position oder Kurve an falschen Schalter gekoppelt | Signalausgabe bei stillgelegtem Antrieb in jeder Stellung prüfen |
| Governor regelt nicht | falscher Betriebsmodus, fehlende Kalibrierung, Sensorsignal oder ungültiger Sollbereich | Regler- beziehungsweise FBL-Status und Eingang nach Anleitung prüfen |
| Verbrenner dreht bei Pitch zu hoch oder zu niedrig | Kurvenform, Vergaseranlenkung, Gemisch oder Governor nicht abgestimmt | Mechanik und Motorzustand vor Kurvenänderung prüfen |
| Werte eines anderen Helis funktionieren nicht | anderer Senderweg, Regler, Antrieb oder Pitchbereich | eigene Gerätekette neu kalibrieren statt Prozentwerte kopieren |
Häufige Fragen zur Gaskurve
- Welche Gaskurve ist für Anfänger richtig?
Die vom Hersteller des konkreten Modells und Reglers vorgegebene Ausgangskonfiguration. Ein allgemeiner Anfängerwert existiert nicht. Für die ersten Änderungen sind Drehzahlmessung und fachkundige Begleitung sinnvoll.
- Muss eine Governor-Gaskurve immer waagerecht sein?
Viele Systeme erwarten pro Flugzustand einen konstanten Eingang, aber nicht alle. Set-RPM-, externe Governor- und FBL-Lösungen können andere Zuordnungen verwenden. Die Geräteanleitung entscheidet.
- Ist der Prozentwert der Gaskurve gleich der Regleröffnung?
Nicht zwingend. Der Wert ist ein Senderbefehl. Endpunktkalibrierung, Signallogik und Betriebsmodus bestimmen, wie der Regler ihn interpretiert.
- Warum braucht ein Elektroheli mehrere Gaskurven?
Mehrere Flugzustände können unterschiedliche Sollwerte, Startlogiken oder Autorotationsfunktionen bereitstellen. Ob sie benötigt werden, hängt vom Modell und vom gewünschten Betrieb ab.
- Kann ich die Rotordrehzahl nur über die Gaskurve bestimmen?
Nein. Übersetzung, Motorspezifikation, Akkuspannung, Last und Reglerverhalten wirken ebenfalls. Die tatsächliche Rotordrehzahl wird gemessen und gegen die zulässigen Grenzen geprüft.

